Augenarzneimittel

Augenarzneimittel bzw. Augentropfen sind Arzneiformen, die direkt am Auge oder an den Augenlidern angewendet werden. Nach dem europäischen Arzneibuch werden an Augentropfen folgende Anforderungen gestellt:

• Sterilität
• Klarheit ( Schwebstofffreiheit)
• Konservierung
• Tonizität
• Stabilität
• Optimaler pH-Wert und Viskosität
• Viskosität

Sterilität

Augentropfen sind nach dem europäischen Arzneibuch steril herzustellen, da zum Beispiel Erreger wie Pseudomonas aeruginosa die Hornhaut des Auges schädigen können, da sie ein Cornea Kollagen abbauendes Enzym haben. Die Hornhaut des Auges (Cornea) ist eine gute Barriere gegen Mikroorganismen. Die Herstellung der Augentropfen erfolgt unter aseptischen Bedingungen. Während der Herstellung wird Wasser für Injektionswecke eingesetzt. Am Ende werden die Herstellungsprodukte in sterile Behältnisse überführt. Die Sterilität wird überprüft mit dem Blasendrucktest und anderen Methoden nach dem europäischen Arzneibuch.

Klarheit

Schwebestofffreiheit ist erforderlich, da große Partikel im Auge zu mechanische Reizungen führen können, deshalb muss filtriert werden.

Konservierung

Konservierungsmittel sollten möglichst niemals in die Blutbahn gelangen, deshalb dürfen keine Konservierungsmittel bei verletztem oder operiertem Auge eingesetzt werden. Gängige Konservierungsmittel sind:

• Thiomersal 0,002%
• Organische Quecksilberverbindungen Phenylquecksilber
• Benzalkoniumchlorid 0,002 – 0,01%
• Chlorhexidin 0,005 – 0,01 %
• Benzylalkohol 0,5 – 1 %
• Glukose konservierend ab 70%
• Ethanol ab 20 %
• Quartäre Ammoniumsalze

Tonizität (Isontonie)

Die Tränenflüssigkeit hat aufgrund eines Elektrolyt-Kolloidgehalts einen osmotischen Druck. Eine zu Hypertone beziehungsweise Hypotone Lösung kann im Auge Schmerzen verursachen. Das Auge hat einen großen Tonizitätstoleranzbereich, dieser geht von 0,7 bis 1,4%iger NaCl-Lsg (= 225 – 430 mosmol/kg)*. Innerhalb dieser Grenzen sind keine Schmerzen zu erwarten. Wie man den Zahlen entnehmen kann sind Hypertonische Lösungen besser verträglich als hypotonische.

*Osmol = Stoffmenge osmotisch wirksamer Teilchen

Formel für den Osmotischer Druck π = C * R* T

Den Osmotischen Druck kann man mit der Pfefferschen Zelle bestimmen, diese Methode ist aber zu aufwendig. Da der Osmotische Druck wie die Siedepunktserhöhung und die Gefrierpunktserniedrigung eine Kolligative Eigenschaft ist, ist es deshalb möglich durch eine Messung der Gefrierpunktserniedrigung, die proportional zum Osmotischen Druck ist den Osmotischen Druck zu bestimmen.

pH-Wert

Idealerweise sollten Augentropfen einen pH-Wert von 7,4 aufweisen damit das Auge nicht gereizt wird. Da jedoch die Stabilität vieler Wirkstoffe pH-Wert abhängig sind, muss ein Kompromiss gefunden werden. Diesen Kompromiss nennt man den Euhydrischen Wert. Dieser liegt bei Ophtalmika bei einem pH-Wert von 5,5 – 6,5. Nach der Applikation am Auge wird der pH-Wert durch die Pufferwirkung der Tränenflüssigkeit auf den physiologischen pH-Wert angeglichen, deshalb sollten zu den Augentropfen keine Puffer zugesetzt werden. Dadurch kann das angleichen des pH-Wertes der Tränenflüssigkeit besser ablaufen. In der Tränenflüssigkeit sind Eiweiß-/Phosphat- und Bicarbonatpuffer vorhanden.

Viskosität

Eine Viskositätserhöhung ist dann erwünscht, wenn man die Kontaktzeit im Auge verlängern will. Durch Erhöhung der Viskosität ist eine bessere Verteilung des Wirkstoffs in der Tränenflüssigkeit und eine längere Kontaktzeit zu erreichen. Die am häufigsten eingesetzten Viskositätserhöher bei Augentropfen sind Hydroxypropylmethylcellulose (HPMC), PVP und PVA

Weitere Hilfstoffe:

Isotonisierende Substanzen: 0,9 % NaCL Lösung,
Antioxidantien: Natriumsulfit
Tenside: nichtionogene Tenside wie Polysorbat dienen als Lösundmittelverbesserer

Verpackungen und Anwendung:

Das primärere Packmittel darf keine Wechselwirkungen mit dem Arzneistoff aufweisen.

Es werden in Bindehautsack zwischen 1- 2 Tropfen ein getropft. Dies entspricht in etwa einem Volumen von 0,5 ml, mehr kann das Auge nicht aufnehmen.

Einzeldosen (EDO) 0,5ml, haltbar für 1 Tag; ohne Konservierungsmittel
Mehrdosen (MDO) 15ml, haltbar bis zu 4 Wochen; beinhaltet Konservierungsmittel

Qualitätsprüfung:

Messung des pH-Werts und der Dichte
Bestimmung der Osmolalität und der Viskosität
Identitätsbestimmung des Wirkstoffs
Beurteilung von Klarheit und Farbe
Prüfung auf partikuläre Verunreinigung
Gehaltsbestimmung des Wirkstoffs und des Konservierungsmittels
Sterilitätsprüfung: Membranfiltermethode oder Direktbeschickung

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